J o u r n a l i s m u s |
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Ratgeber zum RatenWie funktioniert Kultur-Journalismus? Das ist eine von vielen Fragen, die sich nicht nur angehende Journalisten stellen. Das Buch "Kultur-Journalismus - ein Handbuch für Ausbildung und Praxis" beantwortet diese Fragen, aber nicht alle. Im Gegenteil, es wirft sogar neue auf. Der von Dieter Heß herausgegebene Leitfaden "Kultur-Journalismus" umfasst Beiträge zu Kritiken von Musik und Theater über Film, Literatur bis hin zu politischer Kritik und dem essay. Die -überwiegend professoralen- Autoren, vermitteln Erfahrungen, hilfreiche Tipps und Erkenntnisse, die sie aus eigener journalistischer Praxis erworben haben wollen. Sie geben Anhaltspunkte, worauf der Rezensent achten sollte, sowohl bei der besuchten Veranstaltung, als auch deren anschließender Niederschrift. Das ist je nach sujet unterschiedlich. Eine Musik-Kritik setzt legt völlig andere Maßstäbe als eine Kunstkritik. Exkurse ergänzen die Texte. Informationen zu Berufsfeldern sowie Ausbildungswege und Arbeitsmittel für Kultur-Journalisten runden den Ratgeber ab. Die Beiträge, die angeblich aus der Praxis für die Praxis geschrieben sind, halten den Erwartungen aber nicht immer stand. Woran es einigen Artikeln mangelt, sind exemplarische Textbeispiele. Darüber, wie wertvolle Tipps - beispielsweise zur Formulierungsweise - umgesetzt werden können, mag man allenfalls spekulieren. Die Reportage, heißt es, soll einen Theaterabend "möglichst anschaulich" wiedergeben. Was das heißt, wird dem Leser jedoch vorenthalten. Soll er die Garderobe der Besucher in epischer Breite schildern, oder eine seitenlange Szenenbeschreibung anfertigen? Allgemein formulierte Ratschläge dieser Art bleiben oftmals graue Theorie, die - vor allem - der blutige Anfänger beliebig auslegen kann. Eine rühmliche Ausnahme bildet der Beitrag zur Musik-Kritik von Claus Spahn. Humorig verfasst, belegt er an konkreten Beispielen, wie man eine gelungene Musik-Rezension schreibt, oder wie man es besser nicht machen sollte. Ebenso verhält es sich mit dem Text von Thomas Anz über Literaturkritik. Postiv- und Negativ-Beispiele veranschaulichen seine Ausführungen. Das ist doch nicht zuviel verlangt, oder? Außerdem fehlen dem Ratgeber Hinweise, wie Rezensionen aufgebaut werden sollten. Das legt zumindest nahe, dass ein streng gegliederter Aufbau wie bei einem Bericht nicht opportun ist. Was aber dann! Abgesehen von wichtigen Anhaltspunkten für Kritiken des kulturellen sujets lässt das 1998 im List-Verlag erschienene Buch leider vieles offen. Mitunter widersprechen die Aussagen unterschiedlicher Autoren einander sogar. Das öffnet weiteren Spekulationen Tür und Tor, ob diese Unterschiede im sujet begründet liegen. Oder hat der Herausgeber einfach nur versäumt, die Texte redaktionell zu bearbeiten und aufeinander abzustimmen? Für einen Anfänger ist dieses Buch als Leitfaden leider nicht ausreichend. Im Verein mit der Lektüre anderer Bücher oder vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen kann es indes wertvolle Hinweise liefern.
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