J o u r n a l i s m u s

[Tipps]

 

 

 

 

 S C H R E I B W E R K S T A T T
 
- aktuell (nicht von vorgestern.
- sachlich
- objektiv
- richtig (schreibweise

- ethisch vertretbar

 

Recherche

Die Recherche als journalistische Informationsbeschaffung bedient sich aller zur Verfügung stehenden Quellen von Nachschlagewerken über Datenbanken und Internet bis hin zu Veranstaltungen oder Personen, die man befragen kann. Dabei muss eine professionelle Recherche aktuell und neutral sein. Deswegen sollte der Rechercheur möglichst unterschiedliche Positionen zum Thema einbeziehen. Er darf nicht in eine Richtung recherchieren, um beispielsweise eine vorgegebene Meinung durch selektive Aussagen zu bestätigen. Vermeiden sollte er auch, Aussagen von Personen zu kolportieren, die er nicht selbst interviewt hat.

Informationsverarbeitung

In dieser Phase steht die Verarbeitung der gesammelten Informationen an.
Zunächst gilt es, im Rahmen der vorgegebenen Textlänge, die je nach Textsorte unterschiedlich normiert ist, die Datenfülle zu selektieren. Ein Hintergrundbericht oder eine Rezension sollte 3.500 Zeichen nicht überschreiten. Eine Reportage hingegen darf durchaus 8.000 Zeichen umfassen.
Was kommt rein, was bleibt draußen?
Kehrt ein Journalist von einer achtstündigen Vortragsreihe an seinen Schreibtisch zurück, kann er kein ausführliches Protokoll aufschreiben. Er kann lediglich Kern-Aussagen oder repräsentative Aspekte herausstellen. Selbst Hintergrundberichte, die über die Beantwortung der Fragen "Wo, Wann, Wer" hinausgehen, dürfen keine wissenschaftlich tiefschürfenden Analysen präsentieren.
Kurzum: Journalistische Texte sollen direkt auf den Punkt kommen, indem sie das Wesentliche kurz und knapp - aber vollständig - formulieren, ohne sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren.
Allerdings muss der Schreiber auch darauf achten, sich nicht allzu sehr auf allgemeine Aussagen zu beschränken. Konkrete Beispiele oder Zitate sollten die Hauptaussage belegen. Der Leser muss mitbekommen, dass der Journalist direkt vor Ort gewesen ist und das Geschehen so wiedergibt, wie er es gehört und gesehen hat.

Textsorten

Ein Kind fragt nach dem WER, WO, WAS, WANN. Erst mit zunehmendem Alter fragt es nach dem WARUM und WIE. Erwachsene Menschen erfassen - ihre geistige Entwicklung reproduzierend - die Welt vom Einfachen zum Komplizierten und vom Konkreten zum Abstrakten. In dieser Reihenfolge verarbeiten auch Journalisten ihre Informationen.
Journalistische Texte beginnen mit der Beantwortung der Fragen "WER?", "WAS?", "WANN?" und "WO?".
Wer ist der Veranstalter (Funktion, Vorname und Nachname)?
Um Was geht es? Die Antwort auf das WAS gibt das Wesentliche einer Mitteilung wieder.
Wochentag und Datum decken das Wann ab.
Das WO ist die Frage nach dem Veranstaltungsgebäude oder der Gemeinde, wo das zu berichtende Geschehen stattgefunden hat oder noch stattfindet.
Dieser Fragen-Teil steht im lead, dem Kopf eines Artikels, der nicht mehr als 6 Zeilen umfassen sollte. Im Haupttext - dem body - wird die Frage nach dem WIE beantwortet, indem die näheren Umstände beschrieben werden. Das WARUMschließlich geht auf die Hintergründe des Ereignisses ein.

Je nachdem, welche der aufgeführten Fragen wie beantwortet wird, unterscheidet man die journalistischen Textsorten. Eine Meldungbeschränkt sich weitgehend auf die Beantwortung der konkreten W-Fragen, die auch im lead vorkommen, während ein Bericht weitere Informationen zum WIE und Warum ergänzt. Bei einem Bericht geht es um die sachliche Berichterstattung von einer Veranstaltung. Das kann eine Demonstration, eine Jubiläumsfeier oder ein Vortrag sein.
Das herauszustellende Wesentliche ist je nach Ereignis unterschiedlich. Bei einer Demonstration sind es die Forderungen oder Anlässe. Bei einem Vortrag ist es die Kern-Aussage, die möglichst gleich am Anfang stehen sollte.
Das Interviewist die Widergabe von Fragen eines Journalisten und der Antworten seines Gesprächspartners im Wortlaut.
Diese Textsorten beanspruchen weitgehende Objektivität. Was der Journalist bei der Niederschrift seines Textes denkt oder empfindet, muss außen vor bleiben. Er stellt sich ganz in den Dienst der sachlichen Berichterstattung.
Bei den nun folgenden Textsorten handelt es sich um subjektive Mitteilungsformen, die aber auch den objektiven Faktor beinhalten. Sie weisen allesamt die 6-W-Struktur auf, die der Journalist - je nach sujet - auch hier unterschiedlich füllt.

Eine Rezension stellt eine künstlerischen Darbietung wie ein Theaterstück oder ein Buch aus eigener Anschauung dar. Nach der üblichen Rahmenbeschreibung von Ort und Zeit geht sie mit einer knappen Inhalts- und Themenangabe auf das "WAS" ein. Bei dem "WIE" geht es um die Inszenierung, nicht etwa um die näheren Umstände, wie dieses Theaterstück zustande gekommen ist.
Die Reportage ist ein Erlebnisbericht von einem Ereignis. Mit persönlichen Beobachtungen, Empfindungen und Wertungen führt der Reporter allmählich an das Wesentliche heran. Dabei wechselt die persönliche Schilderung sich immer wieder mit dem Sachteil ab, wo der Reporter Fakten und Hintergründe zum Thema vermittelt.
Der Kommentar ist die subjektive Bewertung eines aktuellen Ereignisses anhand sachorientierter Kriterien. Bei dem kommentierten Ereignis muss der Kommentator nicht notwendigerweise zugegen gewesen sein. An den Anfang setzt er die Fakten. Anschließend kommentiert er sie. Bei der Kommentierung sind ihm sicherlich auch nähere Kenntnisse über das Ereignis hilfreich.
Die Glosse ist die - in literarischem Stil essayistisch geschriebene - Äußerung von Gedanken zu gesellschaftlichen, politischen, sozialen oder kulturellen Entwicklungen ohne aktuellen Aufhänger. Am Ende steht eine unerwartete Pointe.
Das Feature ist eine Mischung aller dieser Formen, bei der die sachliche Darstellung eines Themas um kommentierende, glossierende oder auch literarische Elemente ergänzt wird. Trotz des subjektiven Faktors sollte man eine ICH-Form vermeiden, da sonst die Gefahr besteht, den Leser zu vereinahmen.

Anfang und Ende. Nach lernpsychologischen Erkenntnissen sollte jeder Text einen starken Anfang und Schluss haben, da beide dem Leser am nachhaltigsten in Erinnerung bleiben. Ein szenischer Einstieg - beispielsweise mit einem griffigen Zitat oder einer zusammenfassenden These - erhöht die Bereitschaft, weiterzulesen. Ein Widerspruch regt nicht minder zum Weiterlesen an, da er eine kognitive Dissonanz oder Spannung beim Leser erzeugt.
Das Ende sollte - um den Textinhalt bereichert - auf den Einstieg rekurrieren. Man spricht dann von einem runden Text.

Überschriften müssen Interesse herauskitzeln.

 

Sprache

In welcher Sprache muss ein journalistischer Text verfasst sein, damit ein Leser ihn mühelos aufnehmen kann?
Die Sprache soll in erster Linie Mitteilungen transportieren und nicht - wie in der Wissenschaftssprache - verstellen. Nach dieser Maxime sind Wortwahl und Satzbau auszurichten. Alles, was steif und umständlich klingt, sollte möglichst vermieden werden. Der Schreiber sollte Substantivierungen, Passiva sowie Partizipialkonstruktionen durch aktive Verben ersetzen.
Bei der Wortwahl empfiehlt es sich, farbig und anschaulich zu formulieren. Zu schreiben, "man hat ihm einen Bären aufgebunden", kommt besser an als "er ist betrogen worden".
Bildhafte Ausdrucksweisen sind vor allem bei den subjektiven Mitteilungsformen zu empfehlen, bei denen der Autor auch mal aus dem Bauch heraus schreiben darf.
Grundsätzlich sollte man kurze Sätze gegenüber Verschachtelungen bevorzugen. Zur Auflockerung empfiehlt es sich, die Satzstellung "Subjekt, Prädikat, Objekt" öfter zu ändern, indem man beispielsweise wichtige Wörter an den Anfang des Satzes stellt.
Unklare, weitschweifige Formulierungen erschweren außerdem das Verständnis. Fremdwörter grenzen Nichtakademiker aus.
Überhaupt sollte man alles erklären, was nicht jedem selbstverständlich ist. Auch deshalb sollte man Abkürzungen vermeiden.
Namen von Firmen und Organisationen müssen beim erstenmal ausgeschrieben werden. Dabei ist zu beachten, dass alle Menschen einen Familiennamen und einen Vornamen besitzen.
Die Funktion eines Menschen sollte man ebenfalls nicht vergessen, soweit er eine hat.
Es reicht aber nicht allein, diese Regeln zu beachten, um flüssig schreiben zu können. Im Gegenteil: Der Schreiber muss sie zunächst einmal vergessen.
Wer einen Text flüssig schreiben will, muss selbst im Fluss sein. Ein verkrampftes Bemühen, einen nach den Regeln der Kunst perfekten Text zu verfassen, produziert einen verkrampften Text. Ein so geschriebener Text beeinträchtigt die Konzentration und Aufnahmefähigkeit des Lesers.
Deshalb empfiehlt es sich nicht nur für Anfänger, frei von der Leber weg zu schreiben aus dem unmittelbaren Eindruck heraus, den man zum Beispiel von einer Veranstaltung mit nach Hause genommen hat. Im zweiten Durchlauf steht dann der Feinschliff an, wo der Text anhand des aufgestellten Kriterienkatalogs korrigiert wird.
Ein journalistischer Text soll aber kein Kunstwerk sein, an dem man stundenlang bastelt. Journalistische Texte sind Gebrauchstexte, die unter enormen Zeitdruck geschrieben werden, da sie bei online-Publikationen sofort und bei Tageszeitungen spätestens am nächsten Tag druckfrisch bereitliegen müssen.

Verweise

Schon 1789 Besucher

Startseite      |               suchen             |             impressum            |             gästebuch                 |               kontakt


                                                         © 2001 - 2016 by fjh-Journalistenbüro, D- 35037 Marburg